Zum verrückt werden: Die Linke Szene und ihre psychische Gesundheit

Geklaut aus dem Autonomie Magazin
Eine Ergänzung zum Diskussionsbeitrag des Roten Aufbau Hamburg zum Thema linksradikal-sein als Hobby im Lower Class Magazine.
Wir leben in einer Zeit, in der es immer mehr enttabuisiert wird, über psychische Probleme zu sprechen und sich ihnen anzunehmen. Während unsere Mütter und Väter tendenziell solche Sachen mit sich selbst oder am Tresen ausgemacht haben, ist es mittlerweile völlig normal, sich professionelle Hilfe zu suchen, eben auch dann, wenn es nicht völlig offensichtlich ist, was da los ist. Auch innerhalb der Linken geben sich gerne alle aufgeklärt und offen. Doch es gibt Dynamiken, die behindern, dass linke AktivistInnen ihre psychischen Probleme angehen.
Das Problem ist, denke ich, überall zu sehen, wenn man bisschen genauer hinschaut. Es müssten eigentlich allen, die das lesen, Beispiele in ihrem Umfeld einfallen. Oft treffen sich Gruppen wöchentlich und ein Großteil der Anwesenden ist gestresst, müde, ausgelaugt. Das alltägliche Leben, das wir uns antun müssen, ist eine Zumutung für die Psyche. Wir rennen von Termin zu Termin und vergessen uns oft dabei selbst. Arbeit und Privatleben sind meist schon stressig genug eigentlich. Da wir aber ernsthafte linke Politik machen wollen, jammern wir nicht und gehen weiterhin zu den Treffen. In diesem System ist der Alltag ein permanenter Kampf gegen die eigenen Bedürfnisse, manchmal mehr, manchmal weniger. Wir als Linke wissen ja woran das liegt und was dagegen zu machen wäre, im Großen und Ganzen natürlich. Wir denken weniger daran, was das eigentlich bei uns persönlich im Einzelnen anrichtet. Auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene verwundert es nicht, dass immer mehr Menschen an Angststörungen, Depressionen, Psychosen, etc. leiden. Für Linke liegt es auf der Hand: Der Kapitalismus in seiner modernen Ausprägung sorgt dafür. Also kämpfen wir für seine Abschaffung und am Ende wird es auch uns gut damit gehen. Doch die Uhr der menschlichen Psyche tickt schneller. Die Rechnung geht nicht auf. Diese gesellschaftlichen Verhältnisse wirken mit einer Brutalität auf unsere Psyche, die einen verrückt werden lässt. Also sollten wir uns öfter erst einmal um uns selbst kümmern. Wer ein gebrochenes Bein hat, läuft ja auf der Demo auch nicht in der ersten Reihe.
Nehmen wir unsere Anspruchshaltung zurück, persönlich für die Rettung der Welt zuständig zu sein. Wir alle kennen diese GenossInnen, die nicht mehr runterkommen können, weil sie sich seit Jahren an einen Aktivismus gewöhnt haben, der sie kaputt macht. Burn-out gibt es eben nicht nur im Büro. Die Krux ist, dass die beruflichen Belastungen eher reflektiert und so gut es geht zurückgefahren werden, weil Lohnarbeit eh Verbrechen. Gleichzeitig haben viele Betriebe ein Interesse an der Gesundhaltung ihrer MitarbeiterInnen und tun einiges dafür. In der linken Szene kümmert man sich dagegen zu wenig darum. Man geht oft davon aus, dass es ja alle selber wissen müssen, wie sehr sie sich reinstressen. Von der Arbeit macht man gerne Pause, vom Weltretten erlaubt man sich keine. Denn die Anspruchshaltung an sich selbst ist riesig. Gerade in einem Land, das so aussieht, als sei es fast verloren. Linke sind hier Mangelware. Also muss man, wenn man Teil dieser bedrohten Art ist, sich besonders reinhängen, damit das was wird. Gleichzeitig wird das in der Szene honoriert. Hohen Status genießen Personen, die besonders viel machen, oft auftauchen und vieles in sich vereinen: Reden halten, Treffen moderieren, Veranstaltungen organisieren, Spenden sammeln, Pressearbeit machen, Sportlich sein, für andere da sein, etc. pp. Was das angeht, gibt es kaum eine Abgrenzung zum postmodernen Ideal alles hinzubekommen, egal wie hoch die Anforderungen sind. Auch in der Szene ist man seines Glückes Schmied. Es gilt Quantität vor Qualität. Wer viel macht, kann sich verdient ausruhen und muss sich keine Kritik gefallen lassen, von Leuten die weniger machen. Denn die sollen doch selber mal was machen und sich nicht nur beschweren.
Diese Dynamik würden natürlich die wenigsten so offenlegen. Mit ein bisschen Abstand betrachtet ist es ziemlich klar, wie es läuft. Es ist eine Dynamik, die permanent behindert, dass sich Leute zurücknehmen und in Ruhe Gedanken machen können. Gerade für angeschlagene Personen ist es teilweise noch schwerer sich dem zu entziehen. Und so passiert meistens erst was, wenn die Katastrophe schon nah ist. Viele verheizen sich in ihren Zwanzigern, geraten so in eine psychische Krise, bewältigen sie, haben danach keinen Bock mehr auf diese Art des Aktivismus und sind raus, weil sie mal gemerkt haben, wie schön das Leben sein kann oder andere Aufgaben haben (bspw. Kinder). So verliert die Linke fähige Leute im besten Alter. Oft ist es also ein entweder oder: Vollgas-Aktivismus oder kompletter Rückzug. Gesünder für die Psyche und besser für die Linke wäre etwas dazwischen.
Wie kommt man aus der Nummer raus? Ein erster Schritt wäre es, zumindest mal so fortschrittlich wie moderne Unternehmen zu werden, und sich um die geistige Gesundheit seiner GenossInnen zu sorgen. Schaut euch um und sprecht die Leute an. Kritisiert das Status- und Leistungsdenken in euren Gruppen nicht nur abstrakt. Werdet konkret darin. Legt Wert auf Qualität und lasst Leute sich nicht hinter ihrem „ich mach viel und du nicht“- Argument verstecken. Wendet das materialistische Denken auch auf euch als Individuen an und erkennt, dass die Last der Welt nicht allein auf euren Schultern lastet. Nehmt euch Auszeiten. Nehmt euch selbst nicht so wichtig. Keine Gruppe wird daran zugrunde gehen, dass einzelne ein paar Monate für sich brauchen, um wieder klar zu kommen. Und wenn doch, müsst ihr euch ernsthaft fragen, ob nicht etwas verändert werden muss. Eine politische Gruppe besteht aus autonomen Individuen und nicht aus, von einer Person abhängigen, SoldatInnen. Sprecht in euren Gruppen offen über psychische Leiden und versteht dadurch einander besser, ohne aber eine Selbsthilfegruppe zu werden. Oft reicht eine kurze Info, was bei einem los ist. Lasst euch von euren Genoss*innen auch mal was sagen. Die Verantwortung liegt weder komplett beim Kollektiv noch komplett beim Individuum. Denn am Ende ist man es selbst, der sich aus den Fängen seiner psychischen Leiden befreien muss. Das kann einem niemand komplett abnehmen.

In Soziale Kämpfe, Swing 220 veröffentlicht | Kommentare geschlossen

Dokumetationen

5 Vonovia-Karren zerstört – Long Live Liebig34
In Frankfurt wurden im Zeitraum August-September durch einige autonome Nachtaktive in weiser Voraussicht der drohenden Räumung der Liebig34 insgesamt 5 Karren der Wohnraum-Mafia Vonovia in den Stadtteilen Rödelheim, Nied, Praunheim, Nordweststadt und Bornheim zerstört. Es wurden jeweils die Reifen zerstochen, die Scheiben eingeschlagen und das Äußere großflächig mit Farbe oder Schriftzügen verschönert. Unsere Aktionen richten sich gegen die Firma Vonovia, die hier in Frankfurt und an vielen anderen Orten für Verdrängung und Gentrifizierung verantwortlich ist und gegen die Schweine in Politik, Wirtschaft und Repressionsapparat, die in Berlin für die Räumung verantwortlich waren.
Unsere Solidarität und Liebe allen kämpfenden Menschen der ehemaligen Liebig34, Rigaer94 und allen anderen besetzten Häusern!
Unser Hass den Drecksbullen, dem Staat und den Kapitalisten!
Auto von Nazi abgefackelt
Wöllstein, 24. September 2020
Martina und Kai hatten offenbar ihr Auto nach der Spontandemo in Wöllstein vor der Wohnung von Florian Grabowski abgestellt. Offensichtlich keine gute Idee. Jedenfalls fiel die Nazi-Karre in Kusel den Flammen zum Opfer.
Farbe gegen Grünen-Büro
In der Nacht vom 24. auf den 25. September haben wir dem Frankfurter Grünen Büro einen kleinen Vorgeschmack davon verpasst, was passiert wenn sie den Dannenröder Wald einer sinnlosen weiteren Autobahn opfern. Mit Chrom und Farbeiern wurde im Schutz der Dunkelheit ihr Büro markiert.
Die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der „grünen“ Partei ist eine des Verrats an der Umweltbewegung und so wird es auch in alle Zukunft sein. Die wenigen guten sind lange raus und der Rest hat Ideale für Posten und Macht verkauft. Alles zeigen sie zum wiederholten Male im Dannenröder Wald. Doch wir sind vorbereitet – wir werden die Räumung mit allen Mitteln verhindern. Doch seid euch gewiss – Bullen und „grüne“ Politiker – sicher könnt ihr im Wald nicht sein – versucht es erst gar nicht!! Kommt alle ab sofort in den Wald, beteiligt euch an Aktionen und Besetzungen! Danni bleibt!Für eine revolutionäre Öko Bewegung!
Polizei mit Feuerwerk und Steinen attackiert
Dannenröder Wald, 5. Oktober 2020
Wir haben gestern Nacht die Bullen am nord-östlichen Waldrand des Danni mit Feuerwerk und Steinen attackiert.
Wir wollen damit anregen stärker in die Offensive zu gehen. Denn selbst die sehr beeindruckende Anzahl an Blockaden werden irgendwann geräumt sein, wenn wir uns nicht dagegen wehren. Eine Barrikade ist schön. Eine Barrikade zu verteidigen ist auch schön und hält außerdem noch ein bisschen länger.
In diesem Sinne: Danni bleibt!
Danni: Bullen militant angegriffen
10.10. Heute haben mir mit einigen Militanten eine besetzte Bullenkarre im Dannenröder Wald platt gemacht – letzte Warnung an die Belagerer!
Tag X ist da – mit tausenden von Bullen soll für Kapitalinteressen der Dannenröder Forst abgeholzt werden. Angrenzend ging es in den letzten Tagen schon los und viele widersetzen sich dem. Wir wollen unseren Teil zum bunten Bild des Widerstands beitragen und freuen uns über alle solidarischen Aktionsformen und Nachahmer*innen
Weil bereits schon viel zu viele Bäume gefallen sind, viel zu viele Genoss*innen in der GeSa gelandet sind und mit Verfahren überzogen werden haben wir heute eine unmissverständliche Warnung ausgesprochen. Mit Steinen und Farbe haben wir eine Wanne am Waldrand angegriffen während die Besatzung darin wohl dachte sie wären sicher und Lenkrad und Funkgerät unbeachtet ließen. Das hat sie einige Scheiben und Nerven gekostet während wir danach wieder entspannt im Wald verschwunden sind.
Wir wollen unseren Angriff auch als eine letzte Warnung an die Bullenschweine richten – wenn ihr euch weiter im oder am Wald aufhaltet und euch an ihm zu schaffen macht, werden wir unsere Angriffe intensivieren. Wir kennen eure Wege, wir kennen eure Routinen und wir wissen wie wir euch angreifen können um eurem zerstörerischen Treiben ein Ende zu setzen.
An unsere Freunde: Kommt in den Wald! Beteiligt euch an (militanten) Aktionen gegen die Räumung! Stärkt den Widerstand und macht wunderbare Erfahrungen die euch auch im Kampf in der Stadt nützlich sein werden.
Solidarität mit der Liebig!
Gegen dieses kaputte System und seine Logik!
Verhindert die Abholzung des Dannis und aller anderen Wälder!
Auf in die revolutionäre Offensive!
Hessen Autonome
45m ACAB-Graffiti –
Wir sind alle 129a!
31.10.20: In Solidarität mit allen Betroffenen der 129a-Verfahren (bzw. 129) in Frankfurt, Berlin, Hamburg & Leipzig und allen anderen Betroffenen staatlicher Repression haben wir ein 45 Meter breites und ca. 3 Meter hohes ACAB-Graffiti gemalt.
Wir wissen genau, auf welcher Seite ihr steht. Fickt euch Scheiß-Nazischweine-Bullen!
Wir sind alle 129a!
All Cops Are Bastards!
Knastspaziergang mit Pyro
und Parolen
Am Samstag den 31.10 waren wir an der JVA Preungesheim und haben mit Feuerwerk und Parolen unsere Genoss*innen besucht. Gefangen gehalten werden 7 Personen wegen Identitätsverweigerung nach einer Autobahnblockade als Protest gegen die Rodungen im Dannenröderforst und eine Person wegen Identitätsverweigerung nach einer sogenannten Widerstandshandlung vor 2 Wochen.
In und um den Danni haben am 1. Oktober die Rodungen für den Ausbau der A 49 begonnen, seitdem gibt es vielfältigen Widerstand von militanten Aktionen gegen die Bullen bis zu den Waldspaziergängen jeden Sonntag. Der Danni, sowie auch der Hambi sind Symbol gegen die Zerstörung unserer Umwelt und Lebensgrundlagen mit dem einzigen Ziel, aus allem und jedem Profit zu machen. Für uns ist das nicht hinnehmbar! Macht Aktionen und beteiligt euch am Widerstand rund um den Dannenröder Forst.
Der Kampf um den Danni ist nicht nur ein ökologischer Abwehrkampf. Gleichzeitig wird versucht eine kollektive Alternative zu leben, fern von Rassismus, Sexismus und der kapitalistischen Leistungsgesellschaft. Mit den fortschreitenden Rodungsarbeiten intensiviert sich der Widerstand und damit auch die Repression. Diese Repression in Form von Kontrollen, Festnahmen, Anzeigen und massiver Bullenpräsenz sollen uns einschüchtern und unseren Widerstand brechen. Bullen und Politik wollen einen Keil der Spaltung zwischen uns und unsere verschiedenen Aktionsformen treiben. Die verhängte Untersuchungshaft gegen 8 von uns ist ein klarer Fingerzeig der Bullen: Der militante Teil der Proteste soll isoliert und vernichtet werden. Die übrigen Teile sollen unter diesem Druck befriedet und in die sogenannte friedliche und legale Sphäre eingegliedert werden. Dadurch soll unserem Protest die Kraft genommen werden die dieser durch Vielfalt und Zusammenhalt hat. Die unterscheidlichen Protestformen lassen sich nicht voneinander trennen, sondern gehören zusammen! Für uns steht fest: Wir lassen uns nicht einschüchtern! Kommt in den Wald, beteiligt euch an (militanten) Aktionen und organisiert eigene Aktionen im Wald und ausserhalb! Unterstützt die Betroffenen von Repression und besucht die Gefangenen in eurer Stadt!
Wir lassen niemanden allein!
Feuer und Flamme dem Knastsystem!
You take our houses, we smash the city! – Amazon Locker angegriffen
Weil die Nacht uns gehört, haben wir in der Nacht zum 1.11.2020 einen Amazon Locker in Frankfurt Hausen auf dem Aldi-Süd Gelände angegriffen und unbrauchbar gemacht. Wir haben den Scanner, den Bildschirm und die Kamera mit einem Hammer bearbeitet. Wir haben uns dafür entschieden, da die Methode schnell und effektiv ist. Außerdem haben wir eine Botschaft in Lila Farbe hinterlassen: L34 lebt! Damit solidarisieren wir uns mit dem am 9.10. mit massiver Bullengewalt geräumten Hausprojekt Liebig 34 in Berlin. Die Liebig steht für uns symbolisch für einen der wenigen linken, und vor allem queerfeministischen Freiräume, die zunehmend von Repression und Räumung bedroht sind.
Die Liebig 34 lebt!
Das bedeutet: auch wenn ihr uns die Räume nehmt, werden wir kämpfende FLINT*Qs nicht verschwinden. Der Preis der Räumung wird weiter in die Höhe getrieben, in Berlin, in Frankfurt und überall. Wenn ihr unsere Strukturen angreift, dann greifen wir eure an!
Amazon ist eine solche Struktur. Dieser Konzern steht für uns sinnbildlich für eine zunehmende Verschränkung von privaten Dienstleistungsunternehmen und staatlichen Repressionsbehörden. So stellt Amazon zum Beispiel seine Cloud-Dienste der Bundespolizei zur Verfügung, um dort die Daten der Bodycams zu speichern. Außerdem arbeitet Amazon gemeinsam mit Behörden an einer zunehmend überwachten Stadt, euphemistisch gelabelt als „Smart City“. Die dort ausgearbeiteten Systeme lassen sich dann gegen diejenigen richten, die als Feind*innen, als zu Überwachende, gelten. Rassifizierte, „weibliche“ und queere Körper, wohnungslose Menschen und alle weiteren, die der bürgerlichen Stadtgesellschaft ein Dorn im Auge sind.
Besonders perfide drückt sich das in einer neuen Gesichtserkennungssoftware aus, die genau darauf ausgelegt ist Menschen zu kategorisieren. Diese Kategorisierungen entsprechen denen in unserer normierten, also sexistischen, rassistischen und ableistischen Gesellschaft.
Diese Entwicklungen dauern an, werden weitergehen und sich zunehmend verschärfen. Amazon profitiert darüber hinaus auch noch von der aktuellen Krise und wird gestärkt daraus hervorgehen. Genau deswegen ist es wichtig Amazon zu markieren und anzugreifen um ihnen nicht die Deutungshoheit über gesellschaftliche Verhältnisse zu überlassen.
Die oben angesprochene Überwachung nutzt Amazon auch gegen die eigenen Mitarbeitenden. Die Arbeitsverhältnisse gelten als extrem prekär. Die*der Arbeitgeber*in Amazon übt massiven Druck auf die Mitarbeitenden aus und wehrt sich vehement gegen tarifliche Regelungen. Außerdem ist Amazon bekannt für seine aggressive Anti-Gewerkschaftsarbeit. Wir solidarisieren uns mit den Streiks bei Amazon, zuletzt im Frühjahr 2020.
Der Kampf gegen prekarisierte Beschäftigung ist für uns auch immer ein queerfeministischer Kampf. Amazon steht so symbolisch als ein*e Akteur*in vielem entgegen, wofür wir kämpfen.
Wir kämpfen für eine Welt in der wir uns frei entfalten können. Das bedeutet für uns die Abschaffung des rassistischen, sexistischen, antisemitischen, ableistischen und kapitalistischen Systems, damit unsere Leben lebbar werden! Dafür brauchen wir Orte an denen wir sein können, frei sind, unsere Kämpfe planen und vorbereiten können. Aber auch an denen wir uns erholen und wohlfühlen können, gerade auch in Zeiten von Corona.
Grüße gehen raus an die Liebig 34, Grüße und Dank an die FAZ für die Inspiration, Viel Kraft an die kämpfenden FLINT*Qs in Polen, Grüße an alle, die egal wo, mit uns den gleichen Kampf führen!
Kämpferische Nachtspaziergänger*innen
ThyssenKrupp-Auto
zerstört – Kriegsmaschinerie
angreifen #RiseUp4Rojava
2.11.2020: Im Frankfurter Stadtteil Nordweststadt haben wir ein Firmenauto des Rüstungskonzerns ThyssenKrupp entglast, zerstochen und mit dem Slogan „Waffenexporte stoppen!“ besprüht. Wir stellen uns damit in den Rahmen der Aktionswoche von RiseUp4Rojava, dessen Motto des heutigen 2. November „Kriegsmaschinerie angreifen“ lautet.
Waffenexporte, Geldzahlungen, Tourismusreisen, politische Unterstützung für die faschistische Türkei und den Diktator Erdogan müssen sofort eingestellt werden!
Ein Krieg gegen die Revolution in Kurdistan ist ein Krieg gegen uns alle. Und Deutschland unterstützt und profitiert massiv davon – es ist unsere Verantwortung, diese dreckige Zusammenarbeit mit dem türkischen Faschismus zu unterbinden. Wenn bald die Türkei wieder Rojava angreifen sollte, müssen wir die Revolution verteidigen.
Hoch die internationale Solidarität!
PS: Liebe Grüße an die Genoss*innen von der Parkbank. Wir werden bei der Urteilsverkündung am 5. November fest an euch denken!
Feuerwerk und Farbe am Knast
Am Montag (09.11.) haben wir dem Knast in Frankfurt einen Besuch abgestattet. Mit Feuerwerk haben wir unsere Genoss*innen im Knast gegrüßt. Außerdem haben wir mit Farbe Parolen hinterlassen, damit unser Besuch noch lange in Erinnerung bleibt. Ein Video davon findet ihr hier: https://vimeo.com/478655815
Um den Genoss*innen im Knast das Leben erträglicher zu machen könnt ihr ihnen schreiben. Infos dazu findet ihr hier: https://de.indymedia.org/node/116607
Grüße gehen auch an die von Repression betroffenen Antifaschist*innen in Stuttgart und Leipzig. Freiheit für Jo, Dy und Lina.
Solidarität mit den Betroffenen der 129 a verfahren in Hamburg, Frankfurt, Berlin und Leipzig. Keinen Frieden mit dieser Klassenjustiz!
Der Kampf um den Danni geht erst richtig los. Beteiligt euch an den Aktionen, ob im Danni oder vor eurer Haustür. Kommt in Frankfurt zur Kundgebung am Freitag den 13.11. um 17 Uhr zur JVA Preungesheim.
Freiheit für die Danni Gefangenen!
Freiheit für alle politischen Gefangenen!
Freiheit für alle Gefangenen!
Kommt in den Wald!

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Going Viral – Organisierung in Zeiten von Corona

Wir befinden uns mitten in einer neuen Welle von Covid-19-Infektionen und mit ihr zeichnen sich erneute massive Einschränkungen von Bewegungs- und Versammlungsfreiheit ab. Die Folgen der Kontaktsperren für linksradikale Politik und Strukturen haben wir im Frühjahr am eigenen Leib erleben dürfen. Damit sich das nicht wiederholt, möchten wir zu einem reflektierten, kritischen und daraus folgernd auch widerständigen Umgang mit den verordneten Maßnahmen in Bezug auf politische Aktivitäten aufrufen!
Wir alle haben in den letzten Monaten erlebt, wie Zentren nicht aufgemacht haben aus der begründeten Angst vor der Pandemie. Organisierungsprozesse sind abgebrochen, weil wir uns nicht mehr getroffen haben. Themen wie zum Beispiel Überwachung und Kontrolle oder die Privatisierung des Gesundheitssystems, die uns als Linke schon jahrelang beschäftigen, wurden im Zuge der Pandemie in den Mainstreammedien diskutiert. Doch haben wir es versäumt, diese Themen kontinuierlich zu besetzen und auf die Straße zu bringen in einer Zeit, in der sie teilweise anschlussfähig gewesen wären. Die großen Mobilisierungen zu #BlackLivesMatter und #leavenoonebehind zeigen, dass es möglich gewesen wäre. Statt dessen gelang es verstrahlten Aluhüten mit weiten Überscheidungen in rechtsextreme Milieus, Themen wie Grundrechts-einschränkungen zu besetzen.
Dies war sicherlich dem Umstand geschuldet, dass wir alle von der Pandemie überrumpelt wurden, kein Konzept für den Umgang mit der Bedrohung hatten, keine Möglichkeit, die Situation richtig einzuschätzen und keine Erfahrungswerte mit der Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen. Das Bedürfnis, sich solidarisch zu verhalten, traf auf die Unkenntnis, wie das denn konkret umsetzbar wäre. Die Definition von Solidarität erfuhr eine orwellsche Transformation: Solidarisch war, wer NICHT ins Altenheim ging.
Statt dessen wurde aus der eigenen Verunsicherung heraus von vielen der staatlich-verordnete “verantwortliche Umgang” mit der Situation übernommen, ohne zu hinterfragen, woher eigentlich der Inhalt dieser speziellen “Verantwortung” kam. Wir sehen im unhinterfragten Übernehmen von “Verantwortung” die Gefahr, dass dies zu Positionen wie die der Grünen führt, die ein Endlager für hochradioaktiven Müll in Deutschland fordern aus Verantwortung für “deutschen” Atommüll – und dabei der Atomindustrie voll auf den Leim gehen. Das Übernehmen dieser staatlich verordneten Verhaltensregeln führt zudem dazu, dass alle, die davon abweichen, als “Gefährder*innen” wahrgenommen werden. Dieser Spaltpilz zerlegt soziale Kämpfe und lähmt emanzipatorischen Widerstand sehr viel gründlicher, als es Repressionsorgane je vermögen.
Wir sehen es als verständlich und berechtigt an, dass durch eine unbekannte Bedrohungssituation Ängste entstehen und teilen das Bedürfnis, sich und andere nicht zu gefährden. Was wir allerdings in diesen Monaten der „Schockstarre“ oder des Sich-Zurückziehens in digitale Räume vermisst haben, ist eine kollektive Auseinandersetzung um die Situation und die Frage, wie eine Linke mit dieser Situation umsichtig umgehen kann, um handlungsfähig zu bleiben und gleichzeitig den Staat und Überwachungskonzerne mit ihren autoritären Vorstößen deutlich zu kritisieren.
Wir erleben, wie Trittbrettfahrer*innen der Pandemie die Angst vor Covid-19 nutzen, um ihre autoritären Agenden durchzusetzen. Das Feld dieser Krisengewinnler*innen ist weit. Corona-App, Telemedizin, Telebildung, bargeldloses Bezahlen, pandemieresistente Smart Cities bewohnt von digital voneinander isolierten Individuen, die zwischenmenschliche Kontakte als auszumerzende Bedrohung darstellen und durch plattformvermittelte Dienste ersetzen wollen. Die Pandemie ist für die Apologeten dieser zerstörerischen Neuzusammensetzung der Gesellschaft wie frische Morgenluft, die die bislang renitente Widerständigkeit wegweht. Corona ist der digitalisierende Virus, der Entwicklungen, die ansonsten Jahre gebraucht hätten, binnen Wochen durchpeitscht.
Die Disziplinierung und Diskriminierung der “gefährlichen Klassen” wird verschärft. Ob es Obdachlose sind, denen Bußgelder aufgedrückt werden, weil sie sich während der Ausgangssperre nicht in ihrer Wohnung aufgehalten haben, oder die unverhältnismäßig hohe Anzahl von Bescheiden wegen Verstößen gegen migrantische Jugendliche. In Deutschland wurden ganze Wohnblöcke eingezäunt und deren Bewohner*innen gefangen genommen mit glasklaren rassistischen und klassistischen Argumentationen, in vielen Ländern passiert das Gleiche, nur dass teilweise gleich ganze Stadtteile abgeriegelt werden. Die Armen sind die gefährliche Klasse, nicht nur wegen potenzieller revolutionärer Ambitionen, sondern weil Armut die Ausbreitung der Krankheit befördert.
Derweilen weitet sich der Einsatz der Bundeswehr im Inneren aus, nicht nur, dass Uniformierte an immer mehr Stellen auftauchen, sondern auch ideologisch. Gesundheitsämter geraten unter Recht-fertigungsdruck, wenn sie den Einsatz der Truppen ablehnen.
Der autoritäre Umbau der Gesellschaft beschleunigt sich. Politiker*innen vergießen Krokodilstränen, wenn sie von „den Sachzwängen“ zu Maßnahmen „genötigt“ werden – um unter der Hand durch verschärfte Infektionsgesetzgebungen den „Notstand“ festzuschreiben. Ein „Notstand“, der auch immer dann in Stellung gebracht werden wird, wenn es darum geht, soziale Kämpfe und Widerstand zu ersticken.
Unsere Position
Wir wollen uns weder mit den Konformist*innen gemein machen, die in angstvoller Kopflosigkeit jede Maßnahme der Regierung gutheißen und mit einer nachbetenden „Verantwortlichkeit“ die unsinnigsten Verregelungen schlucken, die nun in einer autoritären Anmaßung per Dekret erlassen werden. Warum sollten wir wochentags dicht gedrängt in mittlerweile wieder vollen Zügen zur Arbeit fahren, aber „einsichtig“ auf Demos verzichten, insbesondere auf die, die mehr sind als choreografiertes Widerstandstheater?
Wir wollen uns auch nicht mit Corona-Leugner*innen gemein machen, die in ihrem völlig unangemessenen Wunsch nach Vereinfachung die Pandemie für eine ersonnene Weltverschwörung erklären und sich im Protest gegen die vermeintliche Weltherrschaft von Bill Gates auch noch mit Nazis verbünden.
Ein Spagat, der gelingen kann, wenn wir fremdbestimmte “Verantwortung” zurückweisen. Wir müssen uns jetzt Gedanken darüber machen, wie wir mit den pandemiebedingten Einschränkungen umgehen, um nicht nur ein weiteres Einbrechen unserer Kämpfe und Organisierungen zu verhindern, sondern auch, um handlungsfähig und kämpferisch zu bleiben. Den entwendeten und verdrehten Begriff der Solidarität müssen wir uns zurückholen und mit unseren Inhalten füllen.
Wir rufen euch auf, die Nutzung der Krise zur Durchsetzung einer „neuen Normalität“ der verstetigten „sozialen Distanz“ von einer klaren linken Position aus anzugreifen!
Je länger wir in einer erschrocken-beobachtenden zweiten Reihe verharren, desto stabiler können autoritäre Krisenakteure ein solches „post-pandemisches“ Normal verankern. Denn allen dürfte klar
sein: Ein Zurück (nach dem Ausnahmezustand) zu „alter Normalität“ der Vor-Corona-Zeit – die schon damals etwas war, wogegen es sich zu kämpfen lohnte – wird es nicht geben.
Was können wir tun?
Diese neue Corona-Welle wird von Seiten der Regierung allein schon aus ökonomischen Gründen nicht mit einem umfassenden Shutdown beantwortet, sondern wird mit Rückgriff auf das Infektionsschutzgesetz zu (massiven) regionalen Einschränkungen der Bewegungsfreiheit führen. Freier Zugang und unbeschränkte Teilhabe wird unter Umständen denen vorbehalten sein, die „Immunität“, PCR-Test oder zumindest Corona-App vorweisen können.
Auf dem Land gab es in der ersten Welle genügend Möglichkeiten, sich ungestört von Corona-Bullen in großen Gruppen zu treffen. Historisch gab es darüber hinaus die Methode „konspirativer Spaziergänge“, in denen in wechselnden Konstellationen im Freien Zweiergespräche geführt wurden. Erinnern wir uns außerdem an die Kämpfe, die wir zu Zeiten der Castortransporte ins Wendland geführt haben: Mitten im Winter, tagelang draußen im Gelände, trotz widriger Umstände hat das Begreifen der Notwendigkeit der Kämpfe alle Unwegbarkeiten überwindbar und den Widerstand möglich gemacht.
Wir sollten auch in den Städten nach geeigneten Räumlichkeiten suchen, die eine Vollversammlung auch im Winter möglich machen. Gibt es zum Beispiel Situationen, in denen es uns möglich und richtig erscheint, uns solche Räume zugänglich machen, auch dann, wenn die für sie „Verantwortlichen“ denken, sie nicht freigeben zu können? Zumindest können wir das Gespräch suchen, um über Räume zu verhandeln, wir können unsere eigenen Konzepte entwickeln, um Räume so zu nutzen, dass sie politische Aktivitäten zulassen, ohne sich Gesundheitsrisiken auszusetzen. Wir können uns wetterfest anziehen und auch mal Treffen im Freien durchführen. Wir brauchen Konzepte im Umgang mit Kontaktbeschränkungen und Ausgehverboten (wie es sie z.B. in Frankreich gab und wiedergibt), alleine schon deshalb, weil das die Punkte sind, an denen die Repression den Hebel ansetzt.
Zwei Aspekte halten wir für besonders wichtig:
// Räume //
Konzerte, Partys, Küfas und Vorträge sind neben unseren Plenas und Vollversammlungen wichtige Orte des Austausches und der (informellen) Organisierung. Während sich Plenas zur Not noch virtualisieren lassen, können wir diesen informellen Austausch und das soziale Miteinander nicht in den virtuellen Raum verlagern. Was aber auch heißt: Wir brauchen im Winter Räume, um uns zu sehen, auszutauschen und zu organisieren. Verschlüsselte virtuelle Treffen sehen wir maximal als Möglichkeit der Verabredung bzw. des organisatorischen Austausches für Delegierte. Das heißt auch, dass wir dafür stetig in Konfrontation gehen werden müssen. Sei es beispielsweise bei stillen Besetzungen von Häusern, die durch ihre Größe ermöglichen, uns mit dem nötigen Abstand auch drinnen zu treffen oder aber auch bei der Auseinandersetzung mit den zum Teil staatlich co-finanzierten linken Zentren, die aus Angst vor staatlicher Repression ihre Räume nicht öffnen.
Der Winter wird die Zeit sein, in der wir die im Frühjahr durch unsere Nachbarschaftshilfen gewonnenen Beziehungen nutzen können und müssen, um unsere Räume vor Denunziation zu schützen, in der Hoffnung, dass die Nachbar*innen nicht direkt die Bullen rufen. Und der Winter wird auch der Punkt sein, wo wir wieder mehr konspiratives Verhalten üben müssen, um unsere Räumlichkeiten und Strukturen nicht zu gefährden.
// Demos und Aktionen //
Ende August wird die Demo gegen die rassistischen Morde in Hanau verboten. So kurzfristig, dass eine gerichtliche Auseinandersetzung nicht mehr möglich ist, auch die Infektionszahlen stiegen schon einige Tage an. In Hanau wurde nicht an den Zahlen gedreht, um unsere Demo zu verhindern, es wurde an der Interpretation der Zahlen gedreht. Das Verbot hätte schon Tage früher kommen können und wäre dann gerichtlich überprüfbar gewesen oder es hätte ein Alternativplan entwickelt werden können.
Soziale Kämpfe lassen sich nicht virtualisieren
Schon jetzt merken wir die Auswirkungen der Distanzierung zwischen uns. Onlinedemos, Hashtagaktionen und ähnliches sind genau wie der virtualisierte 1. Mai des DGB kein Kampf, sondern PR und eine Verächtlichmachung realer sozialer Kämpfe. Daher freuen wir uns über den Mut der sozialen Kampfbaustelle Anfang September in Leipzig, dieses verlorene Terrain zurück erkämpfen zu wollen.
Nicht, dass es vor 2020 einen besseren Stand der Organisierung gab, aber jetzt gilt es auch noch obendrein, die Organisierung im nicht-virtuellen Raum aufrechtzuerhalten bzw. wieder in Gang zu setzen. Sprich, es müssen deren Grundvoraussetzungen geschaffen werden!
Lebendige soziale Widerständigkeit ist mit Social Distancing nicht vereinbar, sie muss die Methoden sozialer Distanzierung samt ihrer disziplinierenden und isolierenden Wirkung offensiv angreifen!
Gesellschaftliche Veränderungen werden immer noch auf der Straße erkämpft!
Capulcu Kollektiv

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Chronik Herbst 2020

15.08. Am Rande einer Kundgebung der Gruppe „United Colors Of Change“, welche für eine Umbenennung der „Hof-Apotheke zum Mohren“ in Friedberg demonstrierte, sammelte sich eine 20-Köpfige Gruppe und beleidigte die Demonstrierenden lautstark und rassistisch. Des weiteren soll eine Frau aus der Gruppe später einen der Demonstrierenden mit dem Auto angefahren haben. Der Beifahrer soll zudem gebrüllt haben: „Soll ich aussteigen und dem Kerl auf die Fresse hauen?“.
24.08. Angriff auf die Kreisgeschäftsstelle des Bündnis 90/die Grünen in Wetzlar verübt. Auf eine Scheibe, hinter der ein Plakat gegen Nazis und Rassismus hing, wurde ein Stein geworfen, der die Doppelglasscheibe durchschlug.
26.08. Rassistischer Übergriff in Darmstadt. Zwei schwarze Personen werden am Luisenplatz von einem 35-Jährigen angegriffen. Er schreit „Heil Hitler“, attackiert die jungen Männer und zeigt den Hitlergruß. In den sozialen Medien kursierte ein Video des Angriffs. Auf seinem Profil postete der Angreifer ein Bild welches seine NPD-Mitgliedschaft bestätigte. Außerdem zeigte er sich auf Bildern mit der JA Hessen und der Jungen Union.
03.09. Das Café Klatsch in Wiesbaden erhält erneut einen Drohbrief rassistischen Inhalts. In dem Schreiben wird Migrant*innen, PoC, linke Aktivist*innen und Organisationen gedroht. Das linke Café erhielt bereits im vergangenen Jahr einen solchen Brief.
08.09. Querschwurbler versuchen an einer Schule in Darmstadt Jugendliche zu verunsichern. Antifaschistische Jugendliche vertreiben sie vom Hof.
11.09. In der ehemaligen Unterkunft für Geflüchtet Menschen „Hotel Gundrum“ in Schlitz (Vogelsberg) gibt es einen Großbrand. Aufgrund mehrerer Brandherde wird von Brandstiftung ausgegangen. Zeug*innen hörten außerdem als der Brand begann ein Auto wegfahren. Das durch den Brand einsturzgefährdete Gebäude war bis vor wenigen Wochen noch bewohnt, zum Tatzeitpunkt stand es leer.
15.09. Am Rande einer Kundgebung in Limburg gegen die Verhältnisse im abgebrannten Lager Moria auf Lesbos provoziert ein 34jähriger die Antirassist*innen mit dem Hitlergruß. Der Arm ist leider noch am Mann, aber immerhin Strafanzeige.
18.09. Ein 19-jähriger Schüler wird vom Pausenhof in den Abschiebeknast nach Ingelheim verschleppt. Der gebürtiger Guinear sollte trotz Corona-Krise nach Spanien abgeschoben werden. Protest am Flughafen verhinderte vorerst die Abschiebung.
19.09. Kundgebung am Rödelheimer Bahnhof von Young Struggle um an die Morde in Hanau zu erinnern.
20.09. Schlimmste Krawallnacht in Sachsenhausen (seit letzter Samstagnacht)! Als sich die Bullen in eine Auseinandersetzung in Alt-Sachs einmischen, werden sie von einer sich solidarisierenden Menge zuerst beschimpft und später mit Flaschen und Gläsern beworfen. Kurz zuvor war bereits bei einer rassistischen Bullen-Kontrolle auf der Zeil Widerstand geleistet worden.
01.10. Aufregung in Mittelhessen: Ca. 170 fette Spritschlucker waren mit einem X markiert worden und es wurde gedroht diese abzufackeln wenn der Dannenröder Wald abgeholzt werden solle. Die Aktion zeigt sehr gelungen auf was der Mehrheitsgesellschaft so am Herzen liegt.
24.10. Rund 800 Menschen ziehen durch Wiesbaden gegen gegen Rassismus und rechte Strukturen bei Bullen und Unsicherheitsbehörden. Anlass waren die erneuten rechten Drohbriefe gegen mehrere linke Akteure.
31.10. Mehrere hundert Menschen ziehen vom Westend durch die Innenstadt. Aus Solidarität mit den Frauen in Polen und gegen das dort verabschiedete Abtreibungsverbot.
31.10. Leichte Verwarnung für einen 54 Jahre alten Hauptkommissar, bei dem große Mengen Schwarzpulver gefunden wurde: Selbst die leichte Strafe von 2.800 Euro muss der Bulle nämlich nicht zahlen, wenn er sich die kommenden 2 Jahre straffrei verhält. Wie lange eure U-Haft wohl dauern würde, wenn bei euch Schwarzpulver gefunden würde…?!
05.11. Ca. 500 Menschen demonstrieren unter dem Motto „Feurio – Es brennt schon viel zu lange“ gegen rechten Terror in Staat, Behörden und auf der Straße. Anlass war der Prozess gegen den Brandstifter Joachim Scholz, welcher am 06.11 starten sollte, aber kurzfristig verlegt wurde.
14.11. Samstagabend kommt es vor MyZeil zu einem widerlichen Angriff auf eine queere Person durch ca. 10 Männer. Diese treten und schlagen auf ihr Opfer ein. Zu dem Zeitpunkt befinden sich vor MyZeil an die 150 Personen, doch die betroffene Person erhält kaum Unterstützung.

In Chronik, Swing 220 veröffentlicht | Kommentare geschlossen

Intro

Wir haben wenig Zeit für ein Vorwort. Eben kommen wir von den Moria-Demos und sind schon auf den Sprung in den Dannenroeder Wald. Daher nur so viel: Es ist in mancherlei Hinsicht ein ungewöhnliches Heft geworden. Zum Beispiel gibt es einen Schwerpunkt auf Antifa, ohne dass wir uns klassischen Nazis widmen würden. Aber schaut einfach selbst. Wie so oft fehlen uns inhaltlich auch einige Betrachtungen. Unter anderem haben wir wieder nix zu stadtpolitischen Kämpfen im Blatt, obwohl viel in Bewegung ist. Und bestimmt ist auch wieder das Wichtigste von dir, deiner Bezugsgruppe und deiner Szene-Bubble nicht abgebildet. Schade. Aber wenn wir es nicht hinbekommen, schreib du uns doch. Fürs nächste Heft bitte alle eure Beiträge bis zum 10.11. in die üblichen Postfächer. Wir sehen uns auf der Forstwegbarrikade. Swing

In Übersicht, Swing 219 veröffentlicht | Kommentare geschlossen

Widerstand gegen Ausbau der A49 geht weiter!

Über die seit Ende September 2019 bestehende Waldbesetzung im Dannenröder Wald (zwischen Stadt-Allendorf und Homberg/Ohm im Vogelsbergkreis) wurde bereits in den letzten Ausgaben der Swing berichtet. Ende August spitzte sich die Situation fast täglich zu. Am 1. September ging die Waldfläche vom Land Hessen in den Besitz der DEGES über. In knapp einem Monat beginnt die Rodungssaison, die vom 1. Oktober bis zum 1.3. dauert. In dieser Phase dürfen großflächige Wald­rodungen vorgenommen werden. Zwar versucht der Naturschutzverband BUND weiter die Rodung der 100 Hektar großen Fläche juristisch noch zu verhindern, aber die Chancen stehen nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts im Juni diesen Jahres schlecht.
Die Bündnisse „Wald statt Asphalt“ (bestehend aus u.a. der lokalen Bürgerinitiative, Ende Gelände, Greenpeace, Fridays for Future) und „Autokorrektur“ (Waldbesetzung, Aktion Schlagloch und Sand im Getriebe), die in den letzten Monaten gegründet wurden, wollen unter anderem mit Aktionen des zivilen Ungehorsams die Räumung der Waldbesetzung und die Rodung des Waldes verhindern.
Die Polizeipräsenz hat in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen, fast täglich kommen Cops in den Wald – mit Pferden, Six-Packs und zuletzt auch einem Bagger, der Barrikaden auf den Waldwegen räumen sollte. Waldbesetzer*innen konnten den Bagger jedoch stoppen und blockieren. Die Cops brachten auch Schranken an den Zufahrten zum Wald an, um den Materialtransport zu unterbinden – sie standen aber nur ein Tag, danach waren sie wieder verschwunden.
Neben den Cops treibt sich seit kurzem auch die Firma Mundt-Security im Wald herum, fährt Wege ab und dokumentiert Strukturen. Mundt Security, die von der DEGES beauftragt und mit einem „Hausrecht“ ausgestattet wurde, ist bereits aus dem Hambacher Forst berühmt-berüchtigt. Die Cops und die lokalen Medien verbreiten natürlich auch schon ihre Propaganda der „gefährlichen Waldbesetzer*innen“ – die Stimmung in den umliegenden Gemeinden ist gemischt. Viele Anwohner*innen sind gegen den Bau der Autobahn, aber es gibt auch Befürworter*innen, die sich eine Entlastung der Bundesstraße 3 erhoffen. Wie so oft stehen aber wirtschaftliche Interessen im Vordergrund – der in der Region ansässige Süßwarenhersteller Ferrero und der Autoteilezulieferer Fritz Winter machen massiv Stimmung, sind Teil des „Ja zur Autobahn“-Bündnisses. 800 LKW fahren täglich zu den Werken der beiden Firmen. Ferrero soll zukünftig eine eigene Autobahnauffahrt bekommen. Um den Befürworter*innen den Wind aus den Segeln zu nehmen, kritisieren die Bündnisse nicht alleine den geplanten Autobahnbau, sondern setzten sich auch mit alternativen Verkehrskonzepten auseinander.
Die hessische Landesregierung aus CDU und Bündnis 90/Die Grünen befürworten den Ausbau. Auf die umweltzerstörerischen Auswirkungen angesprochen, schiebt der grüne Verkehrsminister Tarek Al-Wazir die Verantwortung auf die Bundesebene – Autobahnen seien Sache des Bundes, nicht der Länder. In den letzten Wochen störten Waldbesetzer*innen und A49-Gegner*innen immer wieder Veranstaltungen von Politikern der Landesregierung und lokaler Ausbau-Befürworter*innen.
Für den „Tag R“, den Tag der Räumung, rufen die Bündnisse zum Widerstand am und im Wald auf. Mehrere geplante Camps wurden durch das Regierungspräsidium Gießen verboten. Nur noch 1 Camp ist derzeit (Anfang September) ohne Übernachtungen genehmigt. Das Verbot wird sicherlich nicht das letzte Wort gewesen sein. Zwischen dem 7. und 11. September soll eine „Wald statt Asphalt“-Aktionswoche stattfinden, am 11. September eine Demo in Wiesbaden.
Ob zum Erscheinen dieser Ausgabe der Swing die Räumung bereits abgeschlossen ist, ist schwer vorauszusehen. Die zu räumende Fläche ist groß und es befinden sich mehrere Baumhäuser und Kletterstrukturen darin. Es ist davon auszugehen, dass sich die Räumung über mehrere Tage hinziehen wird. Wir hoffen, dass der Widerstand erfolgreich sein wird und in der nächsten Ausgabe der Erfolg gefeiert werden kann. Sicher ist jedoch, dass der Widerstand auch nach einer Räumung weitergehen wird. Beteiligt euch an den Protesten und am Widerstand gegen die Zerstörung eines einzigartigen Arten-, Natur- und Trinkwasserschutzgebietes!
KEINE A49 – Stoppt die schwarz-grüne Landesregierung und die DEGES!
Aktuelle Informationen:
www.dannenroederwald.org

In Ökologie, Soziale Kämpfe, Swing 219 veröffentlicht | Kommentare geschlossen

Rassistische Eskalation im Mittelmeer und solidarische Praxen

Das Lager Moria ist endlich Geschichte. In der Nacht zum 8. September ist das überfüllte Freiluft-Gefängnis auf Lesbos vollständig abgebrannt. Die Erleichterung über das Ende von Moria reicht allerdings nur soweit, als dass zwar nun Raum für Neues existiert, aber das Neue wird für die Menschen kaum eine Verbesserung bedeuten. Die bisherige Politik der Inhaftierung und Aussonderung wird sich nicht ändern, auch wenn im besten Falle wirklich einige hundert Menschen evakuiert werden. Die auf Lesbos und anderen Inseln gefangenen Menschen werden weiter eingesperrt sein, ein neues Lager ist im Bau, das die Menschen maximal stundenweise werden verlassen dürfen.
Neben der Internierung von Geflüchteten auf Lesbos, Chios und Samos und vielen Abschiebungen werden auch die Neuankünfte von Geflüchteten in Griechenland mit allen Mitteln verhindert. Die faschistischen Angriffe auf den Inseln finden ihre Entsprechung auf dem Meer, durch eine weitere Eskalationsstufe der Gewalt gegen Boote während der Überfahrt: Die Griechische Küstenwache will unter der neuen rechtskonservativen Regierung Ankünfte in Griechenland um jeden Preis verhindern. An der Seegrenze zur Türkischen Such- und Rettungszone (SAR-Zone) werden Boat-people von maskierten Männern empfangen und zurück Richtung Türkei gezwungen. Sie werden angegriffen und die Boote zerstört oder auf dem Meer treiben gelassen, nachdem ihnen Motor und Treibstoff entwendet wurde. Zugleich wird die Dokumentation derartiger Verbrechen sowie jegliche solidarische Unterstützung von Geflüchteten zu verhindern versucht, mit Gewalt oder durch Kriminalisierung.
2015 erreichten insgesamt rund 850.000 Menschen von der Türkischen Westküste aus die griechischen Inseln per Schlauchboot: Familien, Frauen, Kinder, Alte, Kranke und Gebrechliche. Sie zogen weiter, über die Balkanroute nach Norden. Als der „Lange Sommer der Migration“ ging 2015 als Erfolg für die Bewegungsfreiheit und gegen das Grenzregime in unsere Geschichtsschreibung ein.
Keine Rettung unter dieser Nummer
Die staatliche Seenotrettung der EU, sprich, Italiens und Maltas, hat sich inzwischen auf ein absolutes Minimum zurückgezogen. Für die Menschen auf der Flucht ist die Situation dramatisch bis tödlich. Im Bereich der 170 km breiten libyschen SAR-Zone wird entweder gar nicht gerettet (obwohl das Gebiet zum internationalen Gewässer zählt und die Intervention der Küstenwachen Maltas und Italiens rechtlich möglich wäre) oder die Menschen werden von den Menschenjägern der „Libyschen Küstenwache“ nach der Rettung nach Libyen geschafft, zurück in ein Kriegsgebiet und in die Folterlager, denen die Menschen entfliehen wollten.
Das Aufspüren der Boote durch die Libysche „Küstenwache“ ist dabei nicht dem Zufall überlassen. Dafür sorgt die Europäische Luftaufklärung wie Frontex und EuNavforMed. Boote auf dem Weg Richtung Norden sollen auf diese Weise möglichst schon vor Erreichen der Europäischen Rettungszone abgefangen werden, so lauten die Verabredungen zwischen Malta, Italien und Libyen.
Doch selbst wenn Boat-People die Europäische Rettungszone erreichen, bedeutet dies für sie keine Sicherheit. Illegale Rückführungen aus der Maltesischen SAR-Zone nach Libyen sind mehrfach nachgewiesen; die Dunkelziffer liegt sicherlich um ein vielfaches höher.
Freiheit für die El-Hiblu 3!
Auch Handelsschiffe werden in die illegalen Rückschiebungen nach Libyen involviert. Nur ein Beispiel mit ungewöhnlichem Ausgang: Im Frühling 2019 wurden 108 Menschen in Seenot in internationalen Gewässern von dem Frachter „El-Hiblu 1“ gerettet. Der Kapitän wurde von den europäischen Behörden angewiesen, die Menschen nach Libyen zurück zu bringen, doch die Geflüchteten fürchteten nichts mehr als das. Sie protestierten vehement gegen den illegalen Push-Back. Mit Erfolg: Die El-Hiblu drehte bei und brachte die Menschen stattdessen nach Malta. Öffentlich wurden die Geretteten als „Piraten“ und „Terroristen“ bezeichnet, doch als das maltesische Militär die „El-Hiblu“ stürmte, trafen sie nur auf Menschen, die Schutz in Europa suchten. Drei junge Männer stehen nun in Malta vor Gericht. Anstatt anzuerkennen, dass die drei über 100 Menschen von einer Deportation nach Libyen bewahrten, werden sie als Kriminelle behandelt. Die internationale Solidaritätskampagne „Free the El Hiblu Three!“ fordert die Freilassung der drei jungen Männer.
Bringen Handelsschiffe Gerettete nach Europa, ist inzwischen ein langes Ringen um das Einlaufen in einen sicheren Hafen vorprogrammiert. Der Frachter „Talia“ musste 5 Tage vor den Territorialgewässern Maltas ausharren, bevor die Geretteten Festland betreten und einen Asylantrag stellen konnten. Da Malta keine Rettung sandte, nahm schließlich die „Talia“ die Menschen an Bord. Nur durch das Engagement des Kapitäns und immensen öffentlichen Druck gelang schließlich die Durchsetzung der Landung in Malta. Anders verhält es sich mit dem Tanker „Maersk Etienne“, der am 5. August 27 Menschen rettete, kurz bevor ihr kleines Holzboot sank. Seit einem Monat wehrt sich Malta gegen die Aufnahme der 27 Menschen, der bislang längste Stand-off eines Handelsschiffs im Mittelmeer.
Die Rettungszone Maltas wird ihrem Namen nicht gerecht. Notrufe bei der dortigen Rettungsleitstelle werden nicht entgegengenommen, die für die Seenotrettung zuständigen „Armed Forces of Malta“ kommen entweder spät oder gar nicht. Der traurige aktuelle Rekord ist eine Verzögerung der Rettung erst 80 Stunden nach Eingang des Notrufs. Eine andere maltesische Taktik ist die Ausstattung von Boatpeople mit Treibstoff und Rettungswesten und dem Befehl, weiter nach Sizilien zu fahren. Tätliche Drohungen und die Zerstörung von Booten oder Motoren, wie dies aus auch aus der Ägäis bekannt ist, gehören ebenfalls zur Praxis des Maltesischen Militärs.
Kontinuierlicher Widerstand gegen das Grenzregime
Gleichzeitig wird die Europäische „Migrationskontrolle“ durch viele Ankünfte in Italien, vor allem auf Sizilien und der kleinen Insel Lampedusa herausgefordert. Aktuell kommen dort täglich Boote aus Tunesien und Libyen an. Von Zuwara in Libyen beträgt die Distanz nach Lampedusa rund 270 Kilometer.
Auch sind weiterhin zivile Rettungsschiffe im Einsatz. Die Diffamierung als „Schlepper“ und die darauffolgende Kriminalisierung und Festsetzung der „Iuventa“, des Schiffes der Organisation „Jugend rettet“, waren zwar der Beginn einer bis heute andauernden Welle von Behinderungen und Blockaden von NGO-Schiffen. Die zivile Rettungsflotte gibt aber nicht auf! Gerade waren die Sea Watch 4 und die Louise Michel das erste Mal im Einsatz. Die „Louise Michel“ – pink, feministisch, schnell und benannt nach der französischen Anarchistin – kann es bezüglich der Geschwindigkeit mit den Schnellbooten der Libyschen Küstenwache aufnehmen. Die Schiffe der zivilen Rettungsflotte sind die einzigen, die der Aufgabe der Seenotrettung im zentralen Mittelmeer im eigentlichen Sinne nachkommen. Nicht zu vergessen die zivile Luftaufklärung: das kleine Flugzeug der Sea Watch „Moonbird“.
Der Bedarf nach solidarischen Praxen und praktischer Intervention gegen das EU-Grenzregime ist riesig und lässt uns gelegentlich mit Ohnmachtsgefühlen zurück. Doch vieles, was läuft, passiert unter dem öffentlichen Radar, ist versteckt und individualisiert, wie Aktivitäten gegen Abschiebungen oder solidarische Fluchthilfe. Daneben gibt es zivile Seenotrettung und die Versuche Geflüchtete kommunal aufzunehmen, gegen den Widerstand Seehofers und Co.
Wir machen weiter, allen Widrigkeiten zum Trotz! Kein Kielbreit den Rassist*innen!

In Antira, Swing 219 veröffentlicht | Kommentare geschlossen

We look out for each other!

Stellungnahme von Copwatch Ffm zum Opernplatz vom 08.08.2020
Nachdem es in der Nacht von Samstag auf Sonntag am 19. Juli 2020 zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Besucher*innen des Opernplatzes gekommen ist, reagierte die Stadt Frankfurt am 23. Juli 2020 mit einer Allgemeinverfügung über den nächtlichen Aufenthalt am Opernplatz in Frankfurt, die ein Betreten des Platzes ab 0:00 Uhr und den Aufenthalt auf dem Platz zwischen 1:00 und 5:00 Uhr Nachts verbietet.
Als Informations- und Dokumentationsstelle, die Betroffene unterstützt, wissen wir, dass rassistische Polizeikontrollen (Racial Profiling) in Frankfurt immer wieder passieren. Seit den Geschehnissen am Opernplatz lässt die Polizei insbesondere Schwarze Jugendliche, Jugendliche of Color und migrantisierte Jugendliche nicht in Ruhe und schikaniert sie mit rassistischen Kontrollen in der Innenstadt, im Bahnhofsviertel und in der Umgebung des Opernplatzes. Dadurch wird die Innenstadt zum Angstraum für betroffene Menschen. Aktuell weitet die Polizei die Kontrollen sogar im ÖPNV aus und begründet dies mit den Geschehnissen am Opernplatz. Sowohl Betroffene als auch Augenzeug*innen berichteten, dass fast ausschließlich „migrantisch“ gelesene Jugendliche und junge Erwachsene im Fokus der Polizei standen. Die betroffenen Personen, solidarische Aktivist*innen und Passant*innen intervenieren, stehen den Kontrollierten bei und kritisieren diese rassistische Praxis.
Obwohl Racial Profiling seit Jahren eine Belastung und Bedrohung für betroffene Menschen darstellt, weist die Polizei Vorwürfe dieser Art zurück. Eine kritische Auseinandersetzung mit Rassismus innerhalb der Polizei wird immer wieder verhindert, zuletzt mit dem Argument, dies sei verboten und somit nicht vorhanden. Ein Merkmal von Rassismus ist es, Personengruppen in bestimmte Kategorien einzuteilen (z.B. als migrantisch) und ihnen dann pauschal eine höhere Bereitschaft zu Kriminalität zu unterstellen. Die Polizei tut genau das. Polizeipräsident Gerhard Bereswill betont, seine Beamten stünden völlig zu Unrecht unter Generalverdacht, obwohl es seit Jahren den Vorwurf des Rassismus gegen die Frank­furter Polizei gibt und obwohl zur gleichen Zeit der NSU 2.0 mutmaßlich weiterhin unter Rückgriff auf Polizeidaten Todesdrohungen verschickt. Die Behauptung eines Generalverdachts gegen die Polizei ist zynisch, da Racial Profiling genau auf einem solchen Generalverdacht gegen Schwarze und Personen of Color aufbaut. Die Opferposition, die die Polizei hier für sich beansprucht, ist absurd angesichts der Macht, die die Polizei innehat.
Am ersten Wochenende der Opernplatzräumung kam es zu „Begegnungen“ zwischen der Stadt Frankfurt, vertreten durch Oberbürgermeister Peter Feldmann und Stadtrat Markus Frank und Betroffenen. Hierbei wies Frank die vielfachen Vorwürfe des Racial Profiling ignorant als „Bull­shit“ zurück. Und Feldmann hatte für die Sorgen der Betroffenen nur leere Phrasen übrig. Die Versäumnisse der städtischen Politik sich für die Coronazeit um sichere Räume und Plätze für alle zu kümmern, an denen sich aufgehalten werden kann, werden nun dadurch verschleiert, dass eine Gruppe konstruiert wird (Personen „mit Migrationshintergrund“), die gar keine einheitliche Gruppe ist, sondern Personen mit sehr unterschiedlichen Lebensrealitäten und Erfahrungen. Und diesen zu „den Anderen“ gemachten Personen wird dann öffentlichkeitswirksam die Schuld an den Auseinandersetzungen mit der Polizei am Opernplatz gegeben.
Die Stimmungsmache, die sowohl von den Polizeiverantwortlichen, als auch der Presse initiiert wurde, hat in der Zivilbevölkerung Konsequenzen für die Betroffenen. Es ist aufgrund eines ausbleibenden öffentlichen Aufschreis der Mehrheitsgesellschaft zu befürchten, dass es zu einer zunehmenden gesellschaftlichen Anerkennung für offene rassistische Polizeirepression kommt. Politische Gruppen, die sich gegen strukturellen, institutionellen Rassismus, Diskriminierung und Racial Profiling engagieren, werden kaum bis gar nicht gehört und stattdessen denunziert.
Wir kritisieren zutiefst die Diskursverschiebung, die von Politik, Polizei und vielen Medien aktuell betrieben wird und fordern stattdessen:
1. Solidarität mit Betroffenen von Racial Profiling und rassistischer Polizeirepression
2. Die Beendigung dieser massiven Polizeipräsenz in der Stadt. Die rassistische Alltagspraxis von Behörden darf nicht hingenommen werden. Herr Feldmann betont ja gerne, dass Frankfurt so „multi-kulti“ sei und gibt damit international an. Dann soll er sich jetzt auch für die vielen Menschen mit internationaler Geschichte, für die die Polizei keine Sicherheit, sondern Angst bedeutet, einsetzen und diese rassistische Praxis beenden!
3. Das Recht in Ruhe gelassen zu werden, unbehelligt am öffentlichen Leben teilnehmen zu können, ohne Gewalt, Diskriminierung und Kriminalisierung ausgesetzt zu sein. Dieses Recht muss es für alle Menschen geben!

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Statement der Initiative 19. Februar zum 22. August 2020

Es gibt kein Zurück zur Normalität, es wird nichts vergessen. Hanau ist sechs Monate her. Hanau ist überall.
Und dennoch klingt „Hanau“ heute anders, wenn man es in Berlin oder Freiburg, in Dortmund oder in Leipzig hört. Es ist etwas hinzugetreten, etwas, das nun untrennbar und auf lange Zeit mit der Stadt und ihrer Geschichte verbunden sein wird: Die Gesichter und Stimmen der Angehörigen, Familien, der Freund*innen der Opfer und der Jugendlichen aus Hanau, ihr Zusammenhalt, ihre Wut, Kraft und Trauer. Das Bild, das sie am Samstag zeigten, jede und jeder für sich und alle gemeinsam, ging in die Welt: „Wir lassen uns nicht zu Fremden machen und auch nicht zu Opfern. Wir geben keine Ruhe“. Hanau weckt heute nicht nur Empathie oder Mitleid, sondern Respekt und genaues Hinhören. Hanau ist nicht bloß ein Ruf nach Unterstützung – Hanau gibt auch vielen anderen Kämpfen Kraft und Mut.
Fast 50 Menschen standen am 22. August auf der Bühne. Vor ihnen standen nicht die erwarteten 5000, sondern gerade einmal 249. Aber es hörten Zehntausende im ganzen Land zu, nicht nur vor Bildschirmen zu Hause, sondern auch auf öffentlichen Plätzen, in Cafés und Läden. Viele sagten uns, dass sie nun nochmal deutlicher verstanden haben, dass der 19. Februar mitnichten vorbei ist. Hanau, die Erinnerung genauso wie der Kampf der Angehörigen, Freund*innen und Unterstützer*innen, ihre Stärke und ihre Ausdauer ist jetzt überall. Auch wir selbst – die Initiative und die Menschen, die auf der Bühne standen, Angehörige, Überlebende – haben so viele berührende, beeindruckende, motivierende Rückmeldungen bekommen und haben viel Kraft und Mut aus diesem Tag und aus Euren Rückmeldungen geschöpft.
Die Unterstützung von Tausenden auf den Straßen Hanaus, sie konnte nicht stattfinden. Das fehlt und ist mit keinem Live-Stream zu ersetzen. Wir denken trotzdem, dass wir alle gemeinsam aus dem Verbot etwas Gutes machen konnten und dass es keineswegs ein Rückschlag war. Warum? Weil so das Herzstück des geplanten Tages – die Kundgebung der Angehörigen, der Freund*innen, der Überlebenden der rassistischen Anschläge in Hanau, in Halle, in Wächtersbach und in Mölln – stattfinden konnte. Weil ihre Stimmen groß und laut wurden, auf Plätzen, auf Straßen, in Euren Zimmern. Dafür danken wir Euch. Entschuldigen möchten wir uns bei den Menschen, die Reisebusse und Gruppen organisiert hatten und so wahnsinnig kurzfristig daheim blieben. Wir hätten gern mit Euch zusammen in Hanaus Straßen demonstriert.
Arbeit, Konsum, Fußball, Urlaub: Es wurde viel getan für die Wiedereröffnung der Büros, Fabriken und Einkaufsmeilen in den Corona-Monaten, die zugleich die Monate nach dem 19. Februar waren. Wäre der Elan in Bezug auf Hanau auch nur halb so groß gewesen, wäre den Hinterbliebenen sicher vieles erspart geblieben. Hier gab es geschlossene Jugendzentren, Hinhalterei und jetzt ein Demoverbot, das aus regionaler Perspektive konsequent war und dennoch auch die Absurdität der herrschenden Prioritätensetzung zeigt. Einer Prioritätensetzung, die genauso falsch ist wie sie uns nicht überrascht. Es trifft als erstes die, die es eben immer als erstes trifft. Und nebenan darf weiter in überfüllten „Konsumzonen“ geshoppt werden.
In dem Verbot seitens der Stadt sehen wir aber, um es nochmal deutlich zu sagen, keine politisch motivierte Absage und nicht den Missbrauch der Corona-Regeln durch die Stadt, wie es mancherorts – vor allem außerhalb Hanaus – spekuliert wird. Die Demonstration wurde wegen (auch über das Wochenendende der geplanten Demonstration hinaus weiter) steigender Corona-Zahlen in Hanau selbst und im gesamten Landkreis Main-Kinzig verboten.
Und dennoch, und auch wenn Hanau nicht Berlin ist: nach dem letzten Wochenende bleibt auch das Bild, dass Demo und Gedenken in Hanau verboten wurden, während in Berlin Nazis auf den Stufen des Reichstags posieren konnten. Es mag nachvollziehbare Erklärungen geben, warum es zum Verbot kam und dass dahinter keine bösen Absichten stecken. Trotzdem muss man sagen: das alles passt zu Deutschland im Jahr 2020.
Der vergangene Samstag war ein wichtiger Tag. Wir danken allen, die ihn möglich gemacht haben. Allen, die dabei waren, die zugeschaut und zugehört haben, die mit dem letzten und dem ersten Zug kamen, die ganze Nacht telefoniert, geschraubt, organisiert haben, über Nacht eine kleine Technikburg neben der Bühne aufgebaut haben, um die Kundgebung in unzählige Wohnzimmer und öffentliche Plätze zu streamen. An die, die Sharepics gemacht und die Infos gestreut, die Texte geschrieben, Geld gespendet, Kaffee um drei Uhr nachts gebracht und auf die Kinder aufgepasst haben. An die Zeitungen, NGOs und bundesweite und lokale politische Organisationen, die ihre Internetauftritte zum Streamen bereitgestellt haben. An die über 50 Städte bundesweit, die über Nacht lokale Kundgebungen und Public Viewings des Streams organisiert haben.
Der 22. August hat für uns so stattgefunden, wie er war. Es gibt für uns nichts nachzuholen. Die durch Angehörige, Überlebende, Freund*innen geplante Demonstration sechs Monate nach den Anschlägen sollte kein Show-Event sein, das man nachholt. Wir machen weiter, und zwar gemeinsam hier vor Ort, gemeinsam bundesweit, gemeinsam mit Euch. Und dennoch: Auch die nächste Demo kommt bestimmt.
Wir geben keine Ruhe. Für lückenlose Aufklärung, für Gerechtigkeit und Unterstützung, für angemessenes Erinnern, für politische Konsequenzen.

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Was geschah mit Matiullah Jabarkhil?

Am 13.04.2018 wurde Matiullah Jabarkhil in Fulda von Polizist*innen erschossen. Anstatt eine unabhängige Aufklärung zu ermöglichen, scheinen Polizei und Justiz seitdem vor allem mit Repression gegen Demonstrant*innen und Kritiker*innen vorzugehen.
Eine für das Wochenende vor seinem Todestag geplante 2-Personen-Demo zum Gedenken an Matiullah hatte die Stadt Fulda verboten. Wir sind empört über diesen massiven Grundrechtseingriff. Das Verbot steht in keinem Verhältnis zu den möglichen Gefahren der Aktion und die Begründung, dass von einer Versammlung von 2 Personen eine Gefahr für die Öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgehe, scheint vorgeschoben. In Anbetracht des Demonstrationsverbots der Stadt Fulda, organisierten wir gemeinsam mit Afghan Refugees Movement ein Online-Gedenken.
Über die letzten Jahre geriet auch die Athmosphäre in Fulda und die harte Gangart der örtlichen Behörden und der Ton lokaler Politiker immer mehr in den Fokus der Kritik. So wurde der Vorsitzende des Ausländerbeirats in Fulda, Abdulkerim Demir beispielsweise massiv von dem Fuldaer Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU) und Bernd Woide (CDU) angegriffen. Unterstützung bekamen sie dabei aus dem Lager der rechtsextremen AfD und identitären Bewegung, die gemeinsam für eine Demo in Fulda mobilisierten. Rassismus beginnt nicht bei der AfD, er ist ebenso in der Mitte der Gesellscahft verankert. die CDU Stadtverband Fulda scheint hier ein Paradebeispiel. Demir wird seitdem massiv bedroht und rechtsradikale Rassist*innen leben ihre Gewaltphantasien in den Mails aus. Aber auch das schert die Behörden in Fulda kaum. Der Hessische Rundfunk konnte mit wenigen Klicks Verfasser der Drohungen ausfindigmachen, etwas wozu die Fuldaer Behörden nach einer Anzeige von Demir anscheinend nicht willens waren. Das wirft ein schlechtes Licht auf die Ermittlungsbehörden und nährt die Zweifel an dem Aufklärungswillen.
Polizei und Staatsanwaltschaft machen mit ihrer harten Linie gegen alle, die die wichtige und legitime Frage stellen, warum Matiullah sterben musste und ob die tödlichen Schüsse verhältnismäßig waren, weiter. Nach der Demonstration letztes Jahr, ein Jahr nach Matiullahs Tod, hagelte es förmlich Anzeigen. Gegen die Anmelderin, gegen Demoteilnehmende und gegen Kritiker*innen der rassistischen Kommentare und Berichterstattungen nach der Demonstration. Die Hessenschau berichtet dazu ausführlich. Scheinbar halten es viele in Fulda nicht aus, wenn bei Polizeieinsätzen kritisch nachgefragt wird, dabei ist die Kontrolle der Exekutive zentrales Element der Demokratie. Nicht auszuhalten scheinen es viele insbesondere auch nicht, dass geflüchtete Menschen und People of Color ihre Stimme erheben und mit ihren Bedürfnissen und Forderungen in die Öffentlichkeit treten.
Wir hegen weiter Zweifel an der Erzählung, es habe sich bei den tödlichen Schüssen auf Matiullah um eine Notwehr-Situation gehandelt. Wir hegen Zweifel an der Untersuchung des Falles, weil die Sicherheitsbehörden hier gegen sich selbst ermitteln – auch wenn es sich um eine „unbeteiligte Stelle“ handelt – und weil institutioneller Rassismus nicht anerkannt wurde. Aus der Ermittlungsarbeit im NSU-Komplex wissen wir, welch gravierende Fehleinschätzungen daraus resultieren können, als die Beamten damals vor allem gegen die Familien und Angehörigen der Opfer der rassistischen und rechtsextremen Morde ermittelten.
Beschwerde des Bruders von Matiullah J. gegen Einstellung der Ermittlungen erfolgreich
Nun hat die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt am gestrigen Montag, den 10. August, der Beschwerde des Bruders von Matiullah gegen die Einstellung der Ermittlungen gegen den Polizisten, der die tödlichen Schüsse abgab, stattgegeben. Die Staatsanwaltschaft in Fulda muss nun die Ermittlungen wieder aufnehmen. Die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt rügt damit die scheinbar ungenau geführten Ermittlungen in Fulda und beim LKA Hessen. Dass dem Einspruch von Matiullahs Bruder stattgegeben wurde, verweist darauf, dass es in den Ermittlungen erhebliche Fehler oder Versäumnisse gegeben haben muss. Einsprüchen gegen die Einstellung von Ermittlungen wird nur in sehr seltenen Fällen stattgegeben, insbesondere wenn es sich um Ermittlungen gegen Polizist*innen handelt.
Die Entscheidung der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt legt nahe, dass in der Begründung zur Einstellung des Verfahrens Widersprüche aufgetaucht sind, wichtige Sachverhalte nicht ausermittelt wurden oder dass es neue Anhaltspunkte gibt, aufgrund derer die Ermittlungen fortgeführt werden müssen. Sofern der Beschwerde nicht wegen neuer Anhaltspunkte stattgegeben wurde, würde es bedeuten, dass die Ermittlungen in Fulda nicht nur höchst intransparent geführt, sondern hierbei auch grobe Fehler gemacht wurden. Die Motivation, die tödlichen Schüsse auf Matiullah aufzuklären, kann demnach auf Seiten der Justiz und Polizei in Fulda offensichtlich als gering eingestuft werden.
Ermittlungen zu Polizeigewalt – ein systemisches Problem
Es wurde immer wieder kritisiert, dass die Polizei in Fällen von potentieller Polizeigewalt gegen sich selbst ermittelt. Dass die Beamt*innen des LKA Hessen in ihren Ermittlungen gegen ihre Kolleg*innen in Fulda durch ihre institutionelle Nähe nicht voreingenommen sein sollen, ist kaum denkbar, und auch die Staatsanwaltschaft steht in ihrer täglichen Arbeit mit der Polizei den Beschuldigten viel zu nahe. Aus diesem Grund werden seit Jahren unabhängige Stellen zur Aufarbeitung von potentieller Polizeigewalt und strukturellem Rassismus gefordert. Kürzlich hat die taz beispielsweise “24 Todesfälle in Gewahrsam” untersucht, in denen es um von Rassismus betroffene Personen geht. Insbesondere nach dem Bekanntwerden des hessischen Polizeiskandals bzw. des NSU 2.0 erscheinen solche Stellen dringender denn je. Auch im Polizeipräsidium Osthessen gab es im Zuge des hessischen Polizeiskandals Fälle, in denen Nazis in der Behörde aufgeflogen sind.
Die Fuldaer Polizei und Staatsanwaltschaft waren zuletzt in die Kritik geraten, weil sie mit strafrechtlichen Repressionen gegen Demonstrant*innen, Kritiker*innen und Aktivist*innen vorgingen, nachdem diese Aufklärung im Fall gefordert hatten. Doch der Versuch, die Öffentlichkeit zum Schweigen zu bringen und kritische Nachfragen zu unterbinden, ist gescheitert und hat stattdessen die bundesweite Aufmerksamkeit für den Fall verstärkt.
Wir bleiben Wachsam –
Der Kampf für Aufklärung geht weiter
Wir unterstützen weiterhin die Forderungen nach einer unabhängigen Aufklärung von Matiullahs Tod. Zum dritten Mal nimmt die Staatsanwaltschaft nun die Ermittlungen auf. Damit hat sie zum dritten Mal die Chance, transparente und ausgiebige Untersuchungen anzustellen.
Zu oft haben wir erlebt, wie Ermittlungen nach tödlichen Einsätzen der Polizei eingestellt, Täter*innen geschützt und entschuldigt wurden. Mit Oury Jalloh, Adel B., Aman Alizada oder Mehmet B. sind nur einige Fälle genannt. Wir werden wachsam bleiben und nicht aufhören, Druck auf die ermittelnden Behörden auszuüben. Wir danken dem Afghan Refugees Movement und allen Unterstützer*innen, die die Aufklärung weiterhin ermöglichen und damit die Erinnerung an Matiullah erhalten.
Migrant Support Network

In Antira, Swing 219 veröffentlicht | Kommentare geschlossen